Die Beliebtheit von Wolle
Wolle ist eines der ältesten Materialien, die der Mensch zur Herstellung von Kleidung verwendet. Rund viertausend Jahre vor unserer Zeitrechnung entdeckte man, dass die Wolle eines Schafs besondere Eigenschaften besitzt. So hält sie einen nicht nur im Winter warm, sondern im Sommer auch kühl. Das liegt daran, dass es sich um ein atmungsaktives Material handelt, das für eine natürliche Belüftung sorgt. Außerdem nimmt sie Feuchtigkeit gut auf, ohne sie lange zu speichern. Dadurch bleibt Wollkleidung leicht. Im Laufe der Jahrhunderte wurden verschiedene Schafrassen mit jeweils einzigartigem Vlies gezüchtet. Die berühmteste und begehrteste ist die Merinowolle des gleichnamigen Merinoschafs.
Die hohe Qualität von Merinowolle
Aber was macht Merinowolle eigentlich so beliebt? Zunächst einmal hat das Merinoschaf im Vergleich zu anderen Rassen eine viel feinere Wolle. Dadurch sind die Fasern flexibel und fühlen sich sehr weich an. So bekommst du keinen Juckreiz und es kratzt nicht auf der Haut. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich Bakterien und Pilze nur schwer in Merinowolle festsetzen können. Unerwünschte Gerüche sind daher selten. Damit ist ein Hemd aus Merinowolle für jeden Professional geeignet. Außerdem gehört sie zu den elastischeren Wollarten der Welt. Kleidung aus Merinowolle ist deshalb formstabil, egal wie intensiv du sie trägst oder dehnst. Es überrascht also nicht, dass Wandersocken aus Merinowolle sehr gefragt sind.
Sticht oder juckt Merinowolle?
Nein, Merinowolle ist im Gegenteil überraschend weich und komfortabel. Das liegt daran, dass die Fasern viel feiner sind als bei herkömmlicher Wolle, sodass sie nachgeben, statt zu kratzen. Außerdem ist Merino von Natur aus hypoallergen und verursacht nur selten Irritationen. Dadurch eignen sich Kleidungsstücke aus Merinowolle, um sie direkt auf der Haut zu tragen.
Wie tierfreundlich ist Merinowolle?
Merinowolle wurde lange Zeit mit einem schmerzhaften Eingriff namens Mulesing in Verbindung gebracht. Bei dieser Methode schneidet der Schafhalter Haut rund um das Hinterteil und den Schwanz weg, oft ohne Betäubung. Das geschieht, um Fliegenbefall (Flystrike) zu verhindern: eine schwere Erkrankung, bei der die Fliege Lucilia cuprina ihre Eier in Hautfalten legt, woraufhin die Maden das Fleisch angreifen. Diese Infektion kann für das Schaf letztlich sogar tödlich sein. Glücklicherweise entscheiden sich immer mehr Marken und Landwirte für tierfreundliche Alternativen und stellen auf mulesingfreie Merinowolle um.
Sie tun dies, indem sie natürliche und wirksamere Methoden zur Bekämpfung der Fliegen anwenden. Das ist nicht nur besser für die Schafe, sondern trägt auch zu einer nachhaltigeren Wollproduktion bei. Wenn du dich für Merinowolle entscheidest, achte auf das Siegel des Responsible Wool Standard (RWS). Dieses unabhängige Siegel garantiert, dass die Wolle von Schafen stammt, die mit Respekt und Sorgfalt behandelt werden – ohne Mulesing.
Ist ein Non-Mulesed-Wool-Zertifikat zuverlässig?
Verschiedene Verbrauchersendungen haben die Zuverlässigkeit des Responsible Wool Standard (RWS) und ähnlicher Zertifikate unter die Lupe genommen. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Praxis des Mulesing: ein vorbeugender chirurgischer Eingriff, der – oft ohne Betäubung – ausschließlich in Australien durchgeführt wird. Obwohl sich viele Marken bemühen, mulesingfreie Merinowolle anzubieten, argumentieren Tierrechtsorganisationen, dass die Produktionskette oft zu lang und intransparent ist, um dies zu garantieren. Vorläufig gilt: Nur Merinowolle aus Südafrika oder Südamerika stammt mit Sicherheit von Schafen, die keinem Mulesing unterzogen wurden.
Ist Merinowolle warm?
Ja, Merinowolle ist überraschend warm, ohne schwer oder dick zu wirken. Die feinen Fasern bilden kleine Luftkammern, die deine Körperwärme speichern. So bleibst du schön warm, selbst bei niedrigen Temperaturen. Das Besondere an Merinowolle ist, dass sie zugleich atmungsaktiv und temperaturregulierend ist. Du bleibst also warm, ohne zu überhitzen. Ideal für ein Lagen-Outfit oder als Basisschicht unter deinem Outfit.
Das ganze Jahr über stilvoll mit Merinowolle
Wolle reagiert auf deine Körpertemperatur (genau wie beim Schaf) und lässt sich daher problemlos das ganze Jahr über tragen. Außerdem hat Wolle natürliche Eigenschaften, die schädliche UV-Strahlung absorbieren und sogar Feuer verlangsamen (Letzteres solltest du allerdings besser nicht ausprobieren). Ideal also, wenn du beim Wintersport auf den verschneiten Pisten stehst. Beim Après-Ski begegnen dir daher regelmäßig Herrenpullover aus Merinowolle, vor allem solche mit Half-Zip-Kragen. Ein Rollkragenpullover oder Pullover aus Merinowolle eignet sich eher, wenn du einen edlen Eindruck machen möchtest, zum Beispiel bei einem Essen oder einem Abend aus. Ein Pullover aus Lammwolle wirkt dicker und rauer.
Was sind die Nachteile von Merinowolle?
Merinowolle hat viele Vorteile, aber es gibt auch einige Dinge zu beachten. Zunächst einmal ist sie etwas empfindlicher als andere Wollarten. Durch die feinen Fasern nutzt sie sich bei intensivem Gebrauch schneller ab, vor allem an Stellen, an denen Reibung entsteht, wie an den Ellenbogen und Achseln. Wie andere Wollarten kannst du Merinowolle nicht einfach im Standardprogramm in die Waschmaschine geben. Außerdem ist Merinowolle in der Regel etwas teurer. Du zahlst mehr, bekommst dafür aber Komfort und Qualität.
Läuft Merinowolle schnell ein?
Nur, wenn du sie falsch wäschst. Die Fasern von Merinowolle sind von Natur aus empfindlich gegenüber Hitze, Reibung und großen Temperaturunterschieden. Gibst du ein Kleidungsstück aus Merinowolle in ein heißes Waschprogramm oder in den Trockner? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es einläuft oder verfilzt. Wähle daher immer ein Wollwaschprogramm (kalt oder maximal 30 °C), verwende ein mildes Waschmittel und lasse das Teil liegend trocknen. So behält es seine Form und bleibt herrlich weich.
Merinowolle richtig pflegen
Merinowolle ist von Natur aus antibakteriell und speichert daher keine Gerüche. Deshalb musst du sie nicht regelmäßig waschen. Möchtest du sie auffrischen, reicht es, sie (draußen) auslüften zu lassen. Bei hartnäckigen Flecken musst du diese weder einweichen noch Weichspüler verwenden. Gib das Kleidungsstück zusammen mit anderer Wollkleidung in die Trommel. Um die Qualität zu erhalten, wäschst du nicht heißer als 30 °C (Wollwaschprogramm) und nicht schneller als 600 Umdrehungen. Lege es anschließend flach auf einen Wäscheständer (ohne Wäscheklammern) auf ein Handtuch in derselben Farbe. Gib es nicht in den Trockner! Wäschst du lieber mit der Hand? Dann verwende lauwarmes Wasser und einen Waschlappen. Widerstehe der Versuchung, die Kleidung auszuwringen. Selbstverständlich kannst du sie auch in eine Reinigung bringen. Hast du noch Fragen? Dann wirf einen Blick auf unsere praktischen Tipps zur Pflege von Wollkleidung.